Kunst und Klau

In der Malerei war es früher üblich, dass man bei einem Meister in die Schule ging, lernte so zu malen, wie der Meister und wenn man irgenwann gut genug war, setzte der Alte sein Zeichen darunter und es wurde als Orginal verkauft. Eine faire Geschichte, zumindest dem Meister gegenüber, denn damit refinanzierte man die Ausbildung.

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Irgendwann entwickelte der Schüler dann seinen eigenen Stil, wurde selbst zum Meister und das Rad drehte sich immer weiter. In der Fotografie ist es durchaus ähnlich. Wenn man dann irgendwann verstanden hat, das Technik nicht Alles sein kann und auch die beste Kamera nur dann gute Bilder macht, wenn der Kopf dahinter kreativ nach Neuem sucht, beginnt man automatisch, sich Vorbilder zu suchen und diese so lange zu kopieren, bis man selbst seinen eigenen Stil erkannt und umgesetzt hat.

Es gibt aber auch noch einen anderen, einfacheren Weg, der keine Kreativität erfordert, trotzdem aber brauchbare Ergebnisse liefert. Man kopiert Bilder, so gut man eben kann und setzt dann gleich den eigenen Namen darunter. Die etwas dämliche Ausrede, wenn man sie dann darauf anspricht, “ich hätte ja nicht das alleinige Urheberrecht an einem Motiv” kommt immer wieder. Vielleicht ist das auch noch ein Entwicklungschritt zu früh und sie verstehen noch nicht, das es ein Motiv und eine Bildidee und eine Umsetzung dieser Idee gibt, und erst alle drei Komponenten machen ein Bild aus.

Ich möchte es einmal an diesem Motiv verständlich machen. Natürlich ist Teil des Bildes der Domturm, gerade so scharf, das man ihn noch gut erkennen kann. Das eigentliche Motiv sollen die scharf abgebildeten Kätzchenblüten im Vordergrund sein. Wo dieser Baum genau steht, ist ja auch auf dem Bild zu sehen. In der Bildgestaltung habe ich mich hier ganz bewusst dafür entschieden, den unscharfen Turm rechts in den goldenen Schnitt zu setzen und damit die Kätzchenblüten auf die linke Bildseite zu beschränken. Beide Motive hintereinander zu stellen, wäre mir persönlich zu unruhig geworden, ich wollte ein klares übersichtliches Foto.

Wenn jetzt jemand mit einem Bild daherkommt und dieses rotzfrech auch noch in seinem Kalender verkauft, welches alle Gestaltungsmittel genau so umgesetzt hat, wie in meinem Bild, dann hat das nichts mit Zufall oder “das Motiv ist für alle da” zu tun. Wenn ich zehn Leute bitte, ein Pferd zu malen, werde ich zehn sehr verschiedene Pferdebilder bekommen, es sei den, Einer hat abgemalt.

Leider ist der Nachweis eines solchen Diebstahl geistigen Eigentums nur sehr schwer an einem Gericht zu beweisen und das ist auch der Grund, weshalb es immer wieder solche Schmarotzer geben wird. Also ärgert Euch nicht, wenn Ihr auch mal an solch einen Schwachkopf geratet und freut euch der Anerkennung, … denn es werden nur die Meister kopiert.