Das Deichschaf und der goldene Schnitt

Ein Deichschaf auch einem Streifen aus grnem Gras und vor einem langweiligen bedecktem Himmel. Im ersten Moment fragt man sich sicherlich, was ein Schaf auf einem Nordseedeich an der westlichen Spitze von Eiderstedt nun gerade mit dem goldenen Schnitt zu tun hat und was bitte, ist mit dem goldenen Schnitt gemeint?

Nun, eigentlich ist es ganz einfach: Der goldenen Schnitt ist ein Maß für das Verhältniss zweier Flächen oder Bereiche zueinander. Er beschreibt dabei aber keine Quardatzentimerter sondern den emotionalen Eindruck, den gerade diese räumliche Aufteilungteilung beim Betrachter erzeugt. Klingt irre, gibt uns Fotografen aber die Möglichkeit, eine gewünschte Stimmung mit zu fotografieren.

Erfunden haben es schon die alten Griechen. Die haben festgestellt, das eine bestimmte Proportion das höchste Mass an Harmonie erzeugt. Mit Formeln wie
a / b = ( a + b ) / a bzw. a / b = φ = 1,618033989
will ich hier Niemand langweilen, zumal solche Zahlen im Sucher einer Kamera nicht besonders brauchbar sind. Also beschränken wir uns hier im Folgenden nur noch auf die Drittelregel. Wir teilen das Foto horizontal und vertikal jeweils mit zwei Linien in drei gleichgroße Stücke. Dieses Raster kann bei den meisten Kameras auch im Display eingeblendet werden. Auf diesen Linien und besonders auf den Kreuzpunkten liegt also die grösste harmonische Aufteilung. Wenn ich mein Motiv bzw: dessen Mittelpunkt darauf ausrichte, erzeuge ich einen besonders ausgelichenen Eindruck. OK, jetzt werden einige sagen, dass man in Zukunft alles genau so ausrichten muss und man macht bessere Fotos.

Natürlich ist das nicht so! Harmonie ist nur die Trennlinie zwischen lanweilig und spannend. Alles, was sich im mittleren Feld bewegt ist statisch, langweilig und uninteressant. Es gibt durchaus Bilder, die von solchen Gefühlen unterstützt werden. Stellen sie sich mal einen alten Güterbahnhof vor oder einen schlafenden Hund. Das sind durchaus Bilder, die so eine Emotion gut brauchen können und durch sie noch verstärkt werden.

Wenn wir unser Motiv ausserhalb der gedachten Linien am Rand positionieren, erzeugen wir eine Spannung im Bild. Ich nehme in meinen Kursen immer einen Tisch und ein Glas als Beispiel. Stelle ich das Glas in die Mitte des Tisches, sind Alle tiefenspannt. Es kann ja nichts passieren. Stell ich das Glas, das immernoch genauso stabil auf dem Tisch steht, in den Randbereich, so können einige ihre Augen nicht mehr davon lassen.

Kommen wir noch mal zurück zu dem Deichschaf und dem goldenen Schnitt. Ein wirklich totlangweiliges Motiv. Wäre ich eine Stunde später vorbeigekommen, hätte ich vermutlich genau das gleiche Bild gemacht. Um dem Bild aber ein wenig Dramatik zu verleihen, habe ich die Regel vom goldenen Schnitt bemüht und habe das Schaf im aufregenden Randbereich positioniert. Dadurch habe ich offensichtlich genug Dramatik erzeugt, dass sie sich diesen Text doch noch bis zum Ende durchgelesen haben.

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