Geschichten hinter einem Bild

2016-_MG_7444.jpg Dieses Bild ist mir neulich beim durchforsten meines Diaarchives wieder einmal in die Hände geraten und ich musste unwillkürlich lachen.

Ich habe in den Jahren 1998 bis 2004 die Wikingertage für den Veranstalter fotografiert. Damals hatte die hiesigen Bundeswehr immer einen Behelfssteg am Schleiufer aufgebaut, wo dann die Wikingerschiffe lagen. Etwas abseits von den Edelnachbauten der dänischen Museen lag dieses lustige Schiff mit einer ebenso unbekümmerten Besatzung. Sie kamen aus Hessen und nachdem ich mich ein wenig an diesen Dialekt gewöhnt hatte, erzählten mir diese Frohnaturen, das dieses Schiff ursprünglich als Angelboot geplant war. Die Vorlage hatte man aus dem Kinderbuch “Wickie und die starken Männer” von dem schwedischen Schriftstellers und Journalisten Runer Jonsson. Die Bilder in diesem Buch stammten von dem Karikaturisten Ewert Karlsson.

Von ihrem detailgetreuen Nachbau aus Eschenholz total begeistert, beschlossen die Erbauer, man müsste zum Stapellauf auch was ganz Besonderes machen. Also mieteten Sie sich einen Tieflader, schneiderten sich aus Leder, gobem Stoff und Fellen noch ein paar sehr gelungene Fantasiekostüme aus der gleichen historischen Quelle und fuhren zu den Wikingertagen nach Schleswig. Dort angekommen, erfolgte der Stapellauf und die erste Probefahrt auf der Schlei ohne Probleme.

Erst, als sie dann auch zu Beginn der Wikingertage am besagten Steg anlegen wollten, gab es die ersten Probleme, weil das Boot nicht ganz so authentisch war wie die Orginalnachbauten. Man einigte sich dennoch friedlich auf den Kompromiss, dass sie etwas abseits liegen dürften. In das Wikingerlager, dort war man weniger gastlich, durften sie aber nicht hinein, so das sie jeden Abend mit ihrem Boot nach Haddeby übersetzten, um dort auf dem Campingplatz zu schlafen.

45.jpg Die Gastfreundschaft in Schleswig hatten sie sich zwar anders erhofft, aber auch an den folgenden Tagen kamen sie immer wieder frohgelaunt morgens an den Steg und fuhren abends wieder über die Schlei. Mit ihrer fröhlichen und redseligen Art schaarten sie die ganzen Tage die Besucher um sich und dank ihrer hessischen Mundart fiel den Meisten der Unterschied zwischen Äesche und Äische gar nicht weiter auf. Sie legten immer mit der gleichen Seite an, so dass kaum jemand bemerkte, dass der Drachenkopf nur auf einer Seite halbwegs fertig geschnitz war.

Lustigerweise benutzen die Kieler Nachrichten noch Jahre später, immer wenn sie über die Wikingertage berichteten, dieses Foto als Titelbild …

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